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Sie ist die Überzahl. Der
Schritt ins Ungewisse, die erste Zahl nach der vollständigen Zwölf. Sie
ist das Eins-zu-viel, die das Dutzend überragt, und sie ist die erste
Zahl, die aus zwei Zahlnamen zusammengesetzt ist, die Dreizehn. Damit
ist sie weniger greifbar als ihre numerischen Vorgänger und verdient
deshalb den Beinamen den Michael Ende ihr im Kinderbuch gibt: "die
wilden 13".
Dass der Dreizehn seit dem 17.Jahrhundert Unglück zugesprochen wird, Hotels
oft keinen 13. Stock besitzen, hat vor allem zwei Quellen. Es ist der
Dreizehnte, der beim Abendmahl zum Verräter wird, und es war der
Dreizehnte, der "schwarze Freitag" im Oktober 1307, als Philipp IV.,
König von Frankreich, alle Ritter des Tempelordens verhaften ließ und
den Orden auslöschte. Die Templer waren die erste Gemeinschaft, die
Ritterstand und Mönchsregeln zu einem Orden vereint und als Schutzmacht
bei den Kreuzzügen enormen Einfluss gewann.
In Italien gilt übrigens der Freitag, der auf den 17. eines Monats
fällt, als Unglückstag. Denn die römischen Ziffern für 17 (XVII)
ergeben anders angeordnet das Wort vixi, was auf Latein "ich habe gelebt" heisst.
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Auch wenn mit der Zahl Dreizehn der Schritt ins Ungewisse geschieht, mathematisch geht von dieser Zahl eine ordnende Kraft aus.
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So kann man in einem Würfel - als dem einfachsten geometrischen Körper
- 13 Symmetrieachsen finden. Drei Achsen gehen durch die Mitten
gegenüberliegender Flächen, vier Achsen verbinden als Raumdiagonale je
zwei Ecken des Würfels und schliesslich sechs Achsen, die die Mitte
gegenüberliegender Kanten durchstossen. Mit einem Käsewürfel und 13
Zahnstochern kann man die Konfiguration bauen - oder vornehmer als
geometrische Meditation: Man denkt sich selbst im Mittelpunkt eines
Würfels, Füsse und Kopf berühren je zwei Flächen, links und rechts, im
Abstand der Arme sind die Seitenflächen, vorne und hinten die
restlichen beiden Flächen. Jetzt fügt man Achse für Achse in diesen
imaginären Würfel, bis die Dreizehn vollständig ist. Eine schwierige
Aufgabe für Konzentration und räumliches Vorstellungsvermögen.
Es gibt noch ein weiteres Feld wo die Dreizehn den Raum ordnet: denn es
gibt 13 halbregelmässige, sogenannte "achimedische Körper". Damit sind
Gebilde gemeint, die nicht wie die "platonischen Körper" aus einer Art
von regelmässigen Flächen besteht, sondern aus verschiedenen. Der
bekannteste Vertreter dieser Körper ist der klassische Fussballkörper,
der sogenannte "Ikosaederstrumpf", der aus Fünf- und Sechsecken
besteht. Alle dreizehn Körper vor das innere Auge stellen zu können,
ist zweifellos die höhere Schule geometrischer Übung.
Die 13-Gliederung findet sich ausserdem im Lauf der Sonne und Mond:
Jede Jahreszeit besteht aus 13 Wochen, und von Anblick der neuen
schmalen Mondsichel bis Vollmond sind es 13 Tage.
Die Dreizehn als ordnende Zahl findet sich auch im Alten Testament. Im
34. Kapitel des zweiten Buches Moses werden beginnende mit "barmherzig,
gnädig, geduldig und treu" insgesamt dreizehn Eigenschaften Gottes
heraus gelesen. Möglicherweise besteht dabei sogar ein Zusammenhang mit
der Tatsache, dass in der Zahlenmystik, das hebräische (und auch das
arabische) Wort "Dreizehn" (Ahad) den Zahlenwert Eins besitzt
und deshalb wieder auf das Ganze verweist. In der Kabbala, der
jüdischen Mystik, wird von 13 himmlischen Quellen und 13 Toren der
Gnade und 13 Strömen von Balsam erzählt, die im Jenseits warten. Im
Sohat, dem zentralen Buch dieser Lehre, heisst es, dass Gott auf
"dreizehn Pfaden von Liebesarten" zu finden sei.
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