K R E B S - der Feind in mir
(Oktober '
90 / Juni '07)

 

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13

Die dreiZehn - eine verkannte ZAHL

von Wolfgang Held


Sie ist die Überzahl. Der Schritt ins Ungewisse, die erste Zahl nach der vollständigen Zwölf. Sie ist das Eins-zu-viel, die das Dutzend überragt, und sie ist die erste Zahl, die aus zwei Zahlnamen zusammengesetzt ist, die Dreizehn. Damit ist sie weniger greifbar als ihre numerischen Vorgänger und verdient deshalb den Beinamen den Michael Ende ihr im Kinderbuch gibt: "die wilden 13".
Dass der Dreizehn seit dem 17.Jahrhundert Unglück zugesprochen wird, Hotels oft keinen 13. Stock besitzen, hat vor allem zwei Quellen. Es ist der Dreizehnte, der beim Abendmahl zum Verräter wird, und es war der Dreizehnte, der "schwarze Freitag" im Oktober 1307, als Philipp IV., König von Frankreich, alle Ritter des Tempelordens verhaften ließ und den Orden auslöschte. Die Templer waren die erste Gemeinschaft, die Ritterstand und Mönchsregeln zu einem Orden vereint und als Schutzmacht bei den Kreuzzügen enormen Einfluss gewann.
In Italien gilt übrigens der Freitag, der auf den 17. eines Monats fällt, als Unglückstag. Denn die römischen Ziffern für 17 (XVII) ergeben anders angeordnet das Wort vixi, was auf Latein "ich habe gelebt" heisst.

Auch wenn mit der Zahl Dreizehn der Schritt ins Ungewisse geschieht, mathematisch geht von dieser Zahl eine ordnende Kraft aus.

So kann man in einem Würfel - als dem einfachsten geometrischen Körper - 13 Symmetrieachsen finden. Drei Achsen gehen durch die Mitten gegenüberliegender Flächen, vier Achsen verbinden als Raumdiagonale je zwei Ecken des Würfels und schliesslich sechs Achsen, die die Mitte gegenüberliegender Kanten durchstossen. Mit einem Käsewürfel und 13 Zahnstochern kann man die Konfiguration bauen - oder vornehmer als geometrische Meditation: Man denkt sich selbst im Mittelpunkt eines Würfels, Füsse und Kopf berühren je zwei Flächen, links und rechts, im Abstand der Arme sind die Seitenflächen, vorne und hinten die restlichen beiden Flächen. Jetzt fügt man Achse für Achse in diesen imaginären Würfel, bis die Dreizehn vollständig ist. Eine schwierige Aufgabe für Konzentration und räumliches Vorstellungsvermögen.

Es gibt noch ein weiteres Feld wo die Dreizehn den Raum ordnet: denn es gibt 13 halbregelmässige, sogenannte "achimedische Körper". Damit sind Gebilde gemeint, die nicht wie die "platonischen Körper" aus einer Art von regelmässigen Flächen besteht, sondern aus verschiedenen. Der bekannteste Vertreter dieser Körper ist der klassische Fussballkörper, der sogenannte "Ikosaederstrumpf", der aus Fünf- und Sechsecken besteht. Alle dreizehn Körper vor das innere Auge stellen zu können, ist zweifellos die höhere Schule geometrischer Übung.

Die 13-Gliederung findet sich ausserdem im Lauf der Sonne und Mond: Jede Jahreszeit besteht aus 13 Wochen, und von Anblick der neuen schmalen
Mondsichel bis Vollmond sind es 13 Tage.
Die Dreizehn als ordnende Zahl findet sich auch im Alten Testament. Im 34. Kapitel des zweiten Buches Moses werden beginnende mit "barmherzig, gnädig, geduldig und treu" insgesamt dreizehn Eigenschaften Gottes heraus gelesen. Möglicherweise besteht dabei sogar ein Zusammenhang mit der Tatsache, dass in der Zahlenmystik, das hebräische (und auch das arabische) Wort "Dreizehn" (Ahad) den Zahlenwert Eins besitzt und deshalb wieder auf das Ganze verweist. In der Kabbala, der jüdischen Mystik, wird von 13 himmlischen Quellen und 13 Toren der Gnade und 13 Strömen von Balsam erzählt, die im Jenseits warten. Im Sohat, dem zentralen Buch dieser Lehre, heisst es, dass Gott auf "dreizehn Pfaden von Liebesarten" zu finden sei.

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